Konzert in der Nolteschen Scheune

Schöne Meldodien, temperamentvolle Dynamik

Von Dorit Schlemermeyer – 18.06.2017

Die Band Tum Suden arrangiert alte Lieder in alter Sprache neu – das kommt beim Publikum gut an.

Süstedt. „Wir wollten Musik aus dem 15. und 16. Jahrhundert aus dieser Gegend machen in der damaligen mittelniederdeutschen Sprache“, erzählten die Bandmitglieder von Tum Suden in der Pause. Alte Lieder in alter Sprache, neu arrangiert, konnten die Gäste am Sonnabendabend in der Nolteschen Scheune erleben, wie das Lied vom Bauern, der ein Schäferstündchen mit einem Burgfräulein verbringt und dabei fast Pferd und Wagen verliert. Oder vom Fährmann, der die „schwattbrune Deern“ ertrinken lassen will, weil sie nicht bezahlen kann.

Auch für Kenner des Plattdeutschen nicht immer leicht zu verstehen ist das Mittelniederdeutsch, aber bei diesem Lied gab es auch hochdeutsche Passagen. Es sei vorwiegend Musik aus der Hansezeit, die sie spielen, aber auch einige Stücke aus dem 18. Jahrhundert, so Drehleiermann Guido tum Suden. Nach der Pause ging es weiter mit dem Pfannkuchentanz, vorerst ohne Sängerin Gina Hopfenziz. „Wir dachten, diesem Lied tut ein wenig Migrationseinfluss ganz gut“, meinte Bassist Thomas Fietzke-Nowak. So kam Thomas Schacht an den Percussions zu einer Hauptrolle bei diesem Stück. „Im Gedächtnis des Volkes ist Störtebeker immer geblieben“, kündigte Sängerin Hopfenziz ein Stück über den bekannten Piraten an, das einmal mehr durch Thomas Schacht an den Percussions und Gabriel Lonquich am Schlagzeug seinen Drive bekam, aber durch die Gesangsstimme an mittelalterlichen Minnegesang denken ließ.

Bis heute gebe es in Verden die Tradition, Heringe und Brot an die armen Leute zu verteilen, das habe Störtebeker vor seiner Hinrichtung mit den Stadtfürsten ausgehandelt, so die Sängerin. Beim nächsten Stück markierte die Drehleier von Suden den Auftakt zu einer traurigen Ballade, die von der Trauer einer Mutter erzählte, die ihre Söhne in die Welt schickte, um den Vater zu suchen. Das nächste Stück habe einen erotischen Inhalt, deutete der Bassist an und tatsächlich handelte es sich um ein Lied mit zweideutigem Inhalt, das von einem Schäferstündchen eines Schmiedes berichtete.

Auch dafür gab es vom Publikum viel Applaus, denn die Lieder aus der Hansezeit kamen gut an beim Publikum – dank der schönen Melodien und der temperamentvollen Dynamik. „De dicke Deern trech de dünne Deern dör den dicken Dreck“, reimte Sängerin Hopfenziz und musste das letzte Stück ankündigen, ein Lied über eine geraubte Braut. Dann gab´s doch noch eine Zugabe in Form eines Trinkliedes: „Abends ist es ja noch gut, aber der Morgen danach ist dann doch nicht so erfreulich“, wurde das Lied von Sängerin Hopfenziz angekündigt und erwies sich als äußerst temperamentvoll, fast schon rockig. Das letzte Lied war ein Abschiedslied, das die überschaubare Gästezahl nach Hause schickte. „Wir müssen darüber nachdenken, ob wir Konzerte in diesem Zeitraum weiter stattfinden lassen wollen, es ist einfach zu viel los“, machten sich die Organisatoren Gedanken.

Der Link zum Original:
http://www.weser-kurier.de/region/syker-kurier_artikel,-schoene-meldodien-temperamentvolle-dynamik-_arid,1614744.html

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