Text: Traditional, 16. Jahrhundert

Wor schal ick mi henkeren,
ick dummes Bröderlin?
Wo schal ick mi erneren?
Min Gud is veel to kleen.
Als ick ein Wesent han,
so mot ick bald darvan.
Wat ick schal hir vortehren,
dat hebb ick fern vordan.

Ick bin to frö gebaren,
ja, wor ick henne kam,
min Gelück dat kümpt erst morgen.
Hedde ick dat Keiserdom,
darto den Tolln am Rhin,
unde weer Venedig min,
so weer id alles vorlaren,
id möste vorslömet sin!

So wil ick doch nicht sparen,
unde eft ick alles vorteer,
unde wil darüm nicht sorgen,
God beschert mi morgen mehr.
Wat hülp id, dat ick lange spar,
vellicht vorlör ickt alles gar,
scholdet mi ein Deef utdrogen,
id rüwde mi wol ein Jahr.

Ick wil min Gud vorbrassen
mit Slömen frö und spad
und wil den sorgen laten,
dem id to Herten gaht.
Ick neme mi ein Evenbild
bi mannich Deertlin wild:
Id springt up gröner Heiden,
God behöd em sin Gefeld!

Ick see up breider Heide
veel manges Blömlin stahn,
de sint so wol bekleidet,
wat Sorge scholde ick denn han?
Eck bin noch frisch unde junk,
God vorlehne me veel der Stund,
scholde mi ein Nod anlangen,
min Hert weet nichts darüm.

Neen gröter Fröuwde up Erden is
denn ein gud Levend han!
Mi werd nicht mehr to disser Frist
denn Slömen um unde an,
darto ein guden Mod.
Ick reise nicht sehr na Gud
alse mannich rike Höker
na grotem Woker doht.

De gewinnt sin Gud mit Schaven,
darto mit groter Nod:
Wenn he sin Rouw schal haben,
so licht he, als weer he dod.
So bin ick noch frisch und junk.
God vorlehne mi veel der Stund,
God behöde mi jungen Knaben,
dat mi neen Unmod kam!

Ick lat de Vögel sorgen
in dissem Winter kold.
Wil uns de Wert nicht borgen,
den Rock geve ick em bald,
dat Wammes ock darto,
ick hebbe neen Rast noch Rouw
den Avend als den Morgen,
bet dat ick alles vordoh.

Steck an den Swinebraden,
darto de Höner junk!
Darup werd mi geraden
ein frischer, frier Drunk.
Drage her den besten kölen Win
unde schenk uns dapper in!
Mi is ein Büte geraden,
de mot vorslömet sin.

Drei Wörpel und ein Karten,
dat is min Wapen fri
söß hüpsche Fröuwlin zarte,
an jeder Siden drei.
Kum her, du schönes Wif,
erfröuwest min Hert im Lif!
Schal ick hüd bi di slapen,
min Herte dat werd me fri.

Ick binde min Swerd an de Siden
unde make mi balde darvan.
Hebbe ick denn nicht to riden,
to Fote mot ick gahn.
Id kan nicht sin alltid gelik,
ick bin nicht allwege rik,
ick mot der Tid erwarden,
bet dat ick dat Gelück erslik.

De uns dit Ledeken nige
gesungen hat vorwar,
dat heft gedan ein Slömer fri,
Gott geve öme ein frölik Jar.
All in dem kolen Win
he Wolde jo frölik sin,
sin Geld heft he vorbrasset
mit höveschen Fröuwelin fin.

Wohin soll ich mich wenden,
ich dummes Brüderlein?
Wie soll ich mich ernähren?
Mein Vermögen ist viel zu klein.
Immer, wenn ich eine Bleibe habe,
so muss ich bald davon.
Was ich heute verzehre,
habe ich schon längst ausgegeben.

Ich bin zu früh geboren,
ja, egal, wo ich hin kommen,
kommt mein Glück erst morgen.
Hätte ich das Kaiserreich,
dazu den Zoll vom Rhein,
und wäre Venedig mein,
so wäre das alles verloren,
es müsste verprasst werden.

Also werde ich nicht sparen,
auch wenn ich alles verbrauche
und will deshalb auch nicht besorgt sein,
Gott beschert mir morgen mehr.
Was hilft es, wenn ich lange spare,
vielleicht verlöre ich dann alles,
???,
ich würde es wohl in Jahr lang bereuen.

Ich will meinen Besitz verprassen,
durch Schlemmen früh und spät.
Soll sich doch der sorgen,
der sich etwas daraus macht.
Ich nehme mir zum Vorbild
so manches wildes Rehlein:
Es springt auf wildbewachsenem Land,
Gott behüte seine freie Wildbahn!

Ich sehe auf breitem, wildbewachsenem Land
so manches Blümlein stehen,
die sind so wohl bekleidet,
welche Sorgen sollte ich wohl haben?
Ich bin noch frisch und jung,
Gott verleiht mir noch viele Stunden,
sollte ich in Not geraten,
wird es mein Herz nicht kümmern.

Es gibt keine größere Freude auf Erden,
als ein gutes Leben zu haben!
Mir ist im Moment nichts lieber,
als die ganze Zeit zu Schlemmen,
und das in guter Stimmung.
Ich trachte nicht so sehr nach Besitz,
wie es viele reiche Krämer
nach großen Zinsen tun.

Der kriegt seinen Besitz durch Schinden,
und das nur unter großer Anstrengung:
Wenn er mal seine Ruhe haben will,
liegt er da, als wäre er tot.
Aber ich bin noch frisch und jung.
Gott verleiht mir noch viele Stunden,
Gott behüte mich jungen Knaben,
damit mir kein Unheil geschieht!

Ich lasse die Vögel Sorgen haben
in diesem kalten Winter.
Wenn uns der Wirt nichts borgen will,
muss ich ihm wohl den Mantel geben,
das Wams noch dazu,
ich habe weder Rast noch Ruhe
sowohl abends als auch morgens,
bis ich alles ausgegeben habe.

Verschling den Schweinebraten,
dazu noch junge Hühner!
Danach wird mir gut bekommen
ein frischer, freier Trank.
Trage den besten kühlen Wein herbei
und schenke uns tapfer ein!
Ich habe einen Tausch gemacht,
der muss verprasst werden.

Drei Würfel und ein Kartenspiel,
das ist mein freies Wappen,
sechs hübsche, zarte Fräulein,
an jeder Seite drei.
Komm her, du schönes Weib,
erfreust mein Herz im Leib!
Wenn ich heute bei dir schlafe,
wir mein Herz frei sein.

Ich binde mein Schwert an die Seite
und mache mich bald davon.
Wenn ich nichts zum Reiten habe,
muss ich wohl zu Fuß gehen.
Ich kann nicht immer gleich sein,
ich bin auch nicht immer reich,
ich muss die Zeit abwarten,
bis mich das Glück erschlägt.

Der uns dies neue Lied
gesungen hat fürwahr,
das hat ein Schlemmerer frei getan,
Gott gebe ihm ein fröhliches Jahr.
Mit all dem kühlen Wein,
sollte er wohl fröhlich sein,
sein Geld hat er verprasst,
mit hübschen Fräulein fein.

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