Bi der Nacht

Text und Melodie: Traditional, 16. Jahrhundert; Arrangement: Guido tum Suden

Ik gink wol bi der Nacht,
de Nacht was also duster,
dat ik nicht en sach.

Ik quam vör Leves Dör,
de Dör de was gesloten,
de Grindel was dar vör.

Ik kloppede also lise
mit enem Fingerkin:
„Stand up, holdet Bölekin,
unde lat mi to di in!“

„Ik late di nicht in,
du swerest mi to den Hilgen,
du willest min egen sin.“

„Trud Leveken, lat mi in!
Lat dat di entbarmen,
dat ik vorfroren bin!“

„Ik late di nicht in,
du swerest mi to den Hilgen,
du willest min egen sin.“

„Zart Leveken, lat mi in!
Ik hebbe noch hundert Gulden,
de schölen din egen sin.“

Der Süstern weren dre,
de alderjüngest de uner en was
de let mi to sek in.

Do fel ik över enen Block
al in dem Live en Ribbe entwei
unde in dat Hövet en Lock.

Trud Leveken, maket nicht lang:
is dat Bedde vordrunken,
we slapen wol up der Bank.

Ich ging so durch die Nacht
die Nacht, die war so dunkel,
dass ich gar nichts sagte.

Ich kam vor die Tür der Liebsten,
die Tür, die war verschlossen,
der Riegel war davor.

Ich klopfte daraufhin leise
mit einem Fingerring,
„Steh auf, holdes Liebchen,
und lass mich zu dir ein!“

„Ich lasse dich nicht ein,
du hast mir beim Heiligen geschworen,
dass du der meine sein willst.“

„Wahre Liebste, lass mich ein!
Hab Mitleid mit mir,
da ich doch so friere.

„Ich lasse dich nicht ein,
du hast mir beim Heiligen geschworen,
dass du der meine sein willst.“

„Zarte Liebste, lass mich ein!
Ich habe noch hundert Gulden,
die sollen dein Eigen sein.“

Es gab drei Schwestern,
die jüngeste, von ihnen,
die ließ mich zu sich rein.

Da fiel ich über einen Stein???.
Im Leib eine Rippe zerbrochen
und im Kopf ein Loch.

Die wahre Liebste, wartet nicht lang:
wurde das Bett im Trunk veräußert,
müssen wir wohl auf der Bank schlafen.

 

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