Henneke Knecht

Henneke Knecht

Text und Melodie: Traditional, frühes 16. oder sogar spätes 15. Jahrhundert; Arrangement: Guido tum Suden

„God Henneke Knecht, wat wultu don?
Wultu vordeinen dat ole Lon,
over Sommer bi meck bliven?
Eck geve deck en Par nier Scho,
den Plog kanstu wol driven.

„Knecht Henneke sprack en trotzig Wort:
„Eck wil nenen Buren deinen fort,
solk Arbeit wil eck haten!
Eck wil meck geven up de See,
des hebb eck gröter Baten“.

Dat Wif sprack ok en hastig Wort:
„Wo bistu Kerel so dedort
Wultu en Schipman werden?‘
Hacken un Roen is din Art
un Plögen in der Erden.“

Do Henneke wort bi seck to Rat,
hei koffte vör sine Haversaat
en Armbost got van Prise.
Kort Kleer let hei seck snien an
recht na der Krieger Wise.

Hei nam den Armbost up de Nack,
den Köker hei an den Gördel stack,
dat Swerd an sine Siden:
Darmede gink hei den wrick den wrack,
na Bremen let hei gliden.

As Henneke to Bremen binnen quam,
gink hei vör enen Schipper stan,
sprack: „Schipper, leve Here,
will ji meck vör en Schipknecht han,
vör enen Roderere?“

„Eck woll deck gerne nemen an,
kanstu vör enen Schipknecht bestan
wal recht an Schepes Borde.
Eck hör’t an dinen Wörden wal:
Du bist en Buer van Arde.“

Man Henneke swor enen düren Ed:
„Nen kaskern Kerel eck nich wet
to allem Donde un Sake;
eck bin in minem Mode so fri
recht as en wilde Drake.“

Do Henneke Knecht quam up de See,
stunn hei as en vorjaget Reh,
en Wort konn hei nich spreken;
hei dachte hen, hei dachte her,
sin Herte woll öm tobreken.

Hei lende sin Höft an Schepes Bort,
en Armes lang sprack hei en Wort
wol to dersülven Stunde:
„Wat mi min Wif vörhergesegt,
des kom eck nu to Funde.“

De Wind de weit, de Hane kreit,
dat Wedder dat was gar unsted,
dat Meer ganz ungehüre:
„Hedd eck den Plog in miner Hand,
den woll eck wal balde stüren.

Is hir denn nu nemand bekant,
de meck bringt in dat Sassenland
wal twisken Dister un Leine,
wal to des edlen Försten Hus,
dat Hus tom Lauensteine?

Och is hir nu nemand bekant,
de meck bringt int Bronswiker Land,
eck wilt öm wal belonen:
Eck wil öm geven min Haversaat,
darto en Schepel Bonen.“

De ösk düt Ledken erst erdacht,
hefft Henneken van der See gebracht,
dat ön de Lüse nich freten,
sünnern hei warnt all gode Gesellen,
dat sei nicht sin vormeten.

Guter Knecht Hänschen, was willst du tun?
Willst du den ??? Lohn verdienen,
über Sommer bei mir bleiben?
Ich gebe dir ein paar neue Schuhe,
mit dem Pflug kannst du gut umgehen.

Hänschen Knecht sprach ein trotziges Wort:
„Ich will von nun an nicht mehr einem Bauern dienen,
solche Arbeit hasse ich!
Ich werde mich auf See begeben,
davon habe ich größeren Nutzen.“

Die Frau sprach auch ein zorniges Wort:
„Was bist du Kerl so töricht!
Willst du ein Seemann werden?
Hacken und körperlich arbeiten ist dein Handwerk,
und pflügen in der Erde.“

Da fasste Hänschen einen Beschluss:
er kaufte von seiner Hafersaat
eine Armbrust zu einem guten Preis.
Kurze Kleider ließ er sich schneidern,
nach Art der Krieger.

Er nahm die Armbrust auf die Schulter,
den Köcher steckte er an den Gürtel,
das Schwert an seine Seite:
Damit ging er im Watschelgang
nach Bremen machte er sich davon.

Als Hänschen nach Bremen hereingetreten kam,
stellte er sich vor einen Schiffer,
sprach: „Schiffer, lieber Herr,
wollt ihr mich als Schiffknecht nehmen,
als einen Ruderer?“

„Ich würde dich gerne annehmen,
wenn du als Schiffsknecht bestehen kannst,
so richtig an Bord des Schiffes.
Ich habe aus deinen Worten gehört,
dass du ein Bauer vom Lande bist.“

Hänschen schwor einen teuren Eid:
„Einen tüchtigeren Kerl kenne ich nicht,
zu allem und jedem bereit
ich bin so mutig und ungezähmt,
genau wie ein wilder Drache.“

Als Hänschen auf die See kam,
stand er da, wie ein erschrecktes Reh,
konnte kein Wort sagen;
er dachte hin, er dachte her,
sein Herz würde ihm brechen.

Er lehnte sein Haupt an die Schiffswand,
übergab sich „armlang“
und sprach noch ein Wort in derselben Stunde:
„Was meine Frau mir vorhergesagt hat,
das finde ich nun hier.“

Der Wind, der weht, der Hahn der kräht,
das Wetter, das war sehr unruhig,
das Meer ganz ungeheuer:
„Hätte ich den Pflug in meiner Hand,
den würde ich ganz eifrig steuern.

Ist hier denn niemand bekannt,
der mich in das Sachsenland bringt,
zwischen Dister??? und Leine,
zum Haus des edlen Fürsten,
das Haus zu Lauenstein(1)?

Ist hier auch niemand bekannt,
der mich ins Braunschweiger Land bringt,
ich würde ihn wohl belohnen:
Ich würde ihm meine Hafersaat geben,
dazu ein Scheffel Bohnen.“

Die sich das Liedchen für uns ausgedacht haben,
haben Hänschen von der See gebracht,
damit ihn die Läuse nicht fressen,
sondern er warnt alle guten Gesellen,
dass sie nicht überheblich sein sollen.

(1) Lauenstein: Burg und Flecken im Kreis Hameln-Pyrmont

 

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