Bauer und Herrin

Text und Melodie: Traditional, 15. Jahrhundert; Arrangement: Guido tum Suden

 

De Werlt de hat enen dummen Mod,
förwar, dat dünket mi nicht god.
Dat for en Bur ut Meien.
He brachte sime Heren en Feder Stemm,
siner Frowen einen Korf mit Eieren.

De Bur alto der Borch up for,
de Frowe an hoger Tinnen stot,
so hoch an einer Laden.
„Möchte ik mine Tid mit er vordriven,
des koste mi Roß unde Wagen.

“De Frowe des Buren Rede vornam,
se let den Buren kamen an
gar hemeliken und stille.
Se bracht en an en Kemerkin,
do geschaeh er beider Wille.

Don er beider Wille geschah,
dar ward eme let und ungemach,
he begunde sere to klagen:
„Ik rede der, en alse dat ander si,
mi möjet min Roß, min Wagen.

“De Here al ut der Jachte quam,
dat he des Buren Rede vornam,
he hörde den Buren klagen.
„Du redest, dat ene alse dat ander si,
du schalst mi werliken sagen.“

De Bur de had ene Lögen bedacht:
„Ik han en Foder Stemm gebracht,
en Ast en weinich krumme.
Ik rede der, dat ene alse ander si,
alse se in den Oven komen.

Hir umme is mi min Frowe so gram,
dat se mi Roß unde Wagen nam
ane alle mine Schulde.
Ach Here, leveste Here min,
vorwerf mi Frowen Hulde!“

De Here alto der Frowen quam:
„Wes plagestu dissen armen Man?
Do dit di nicht to Sünden.
Gif em wedder Roß unde Wagen,
dat he fare to sinen Kinderen!“

De Frowe des Heren Rede vornam,
unde grote Rüwe se överquam,
er was leide to Schande.
Se gar em wedder Roß unde Wagen,
se let em faren to Lande.

„Nu far dar hen, gud Bürelin,
dit erste schal di geschenket sin,
unde far dar hen din Strate.
Ach kum her wedder‚ wen du wult‚
brink uns dat Krumholt faken!

 

Die Welt hat ein unnützes Gemüt,
fürwahr, das scheint nicht nicht gut zu sein.
Das wegen eines Bauern aus dem grünen Wald.
Er brachte seinem Herren ein Fuder Baumstämme,
seiner Herrin einen Korb mit Eiern.

Der Bauer fuhr hoch bis zur Burg,
die Herrin stand an hoher Zinne,
hoch, an einer Wehrbrüstung,
„Wollte ich meine Zeit mit ihr verbringen,
kostete mich das Ross und Wagen.“

Die Herrin beabsichtigte den Bauern zu sprechen,
sie lies den Bauern kommen,
gar heimlich und still.
Sie brachte ihn in ein Kämmerchen,
dort geschah ihr beider Wille.

Als ihr beider Wille geschah,
da war es ihm Leid und ihm war unwohl,
er begann ihr zu klagen:
„Ich meine, dass das eine wie das andere ist,
mir tun mein Ross und mein Wagen leid.“

Der Herr kam gerade von der Jagd zurück,
als er schon den Bauern sprechen wollte,
hörte er den Bauern klagen.
„Du meinst, dass das eine wie das andere sein,
du sollst mir wahrheitsgemäß berichten.“

Der Bauer hatte eine Lüge erdacht:
„Ich hatte ein Fuder Baumstämme gebracht,
ein Ast war ein wenig krumm.
Ich meine, dass der eine wie der andere ist,
wenn er in den Ofen kommt.

Meine Herrin ist deshalb so erzürnt,
dass sie mir Ross und Wagen wegnahm,
grundlos alles meine Schuld sei.
Ach Herr, mein liebster Herr,
verschaffe mir das Wohlwollen meiner Herrin!“

Der Herr kam zu der Herrin:
„Was plagst du diesen armen Mann?
Tut das dir nicht zu Sünden?
Gib ihm Ross und Wagen zurück,
damit er zu seinen Kindern fahren kann!“

Die Herrin vernahm die Rede des Herren,
und große Reue überkam sie,
sie schämte sich sehr.
Sie gab ihm Ross und Wagen zurück,
sie ließ ihn aufs Land fahren.

„Nun fahr dahin, gutes Bäuerlein,
dies erste Mal soll dir geschenkt sein,
und fahr dahin auf deinen Straßen.
Ach, komm wieder her, wenn du willst,
bring uns noch oft das Krummholz.“